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keller-1877


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Erster Act . ( Wohnzimmer bei Barko . Mittelthür mit Vorhängen , rechts ein Fenster , davor eine Staffelei mit Zubehör ; am Fenster Blumentöpfe ; im Hintergrunde links eine Thür ; im Vordergrunde links ein Tisch mit Zeitungen , dahinter ein Großstuhl . Rechts und links wird vom Zuschauerraum aus bestimmt . ) Barko . Fritz . Barko ( mit den Zeitungen beschäftigt ) . Ick segg Di nu tum letzten Mal : Da ward niks ut , ja niks ! Nu un nimmermehr gev ick dat to . Glöwst Du ick harr min Lebenstied mi daför quält , üm nu mit antosehn , dat min schöne Angerhof von son Stadtfrölen to Grun'n regiert ward ? Fritz . Aber lieber Vater Barko . Ruhig wenn ick red ! Hest Du öwer all de hochdütsche , städt'sche Bildung den Respect gegen din Vatter so wied vergeten , dat Du mi nich mal mehr utreden letst ? O ick weet woll wat Du mit Din Stadtdam för groote Nosinen in'n Sack hest : Den Ollen so bi Sied setten , un achter sinen Rüggen sich öwer sine ungebild'ten Maneren lustig maken ; Kutschpeer hollen , Bedienten hollen un Visiten maken , bet allens tum Düwel is , un Juden un Excuters dat Kurn von'n Böhn un dat Veeh ut'n Stall verschludern . Nee , min Söhn , noch bin ick Herr von'n Angerhof , un ick will't uck noch en Beten blieben . Frieg Di mintwegen dat armste Mäken , wenn se man Character hett , öwerst kortröckig möt se gan , plattdütsch möt se reden un de Landwirthschaft möt se verstahn , denn will'ck mit Freuden ja seggen ; doch keen Stadtdam sall mi hier in't Hus , dabi blivt dat , so wahr ick Michel Barko heet . Denn ick weet , dat wär en Unglück för mi un noch mehr för Di , min Söhn . Lat Di reden , hör Din ollen Vatter , he is man en dummen Buer , öwerst he kennt de Welt un meint dat seker good mit Di . Glöv , min Söhn , unse Wirthschaft schmitt den Putz un de langen Schleppen , wo se in de Stadt de Strat mit fegen , nich af ; mi wunnert dat Du sowat nich von sülben bedenkst , bist Du denn ganz un gar vernagelt ? Wo is denn Dine städt'sche Klookheit un Gelehrsamkeit , dat Du sowat nich insehn kannst . Oewerst ick hebb Schuld , warüm wär ick so schwach , Din selig Mutter den Willen to don un Di in de Stadt uptrecken to laten . Wat is nu ut Di worden , en Landschafts- und Potretten-Maler . Leever Gott , dat kann ja uck ganz good sind , ick glövt man nich . Dat wär mi uck ganz gliek , wenn Crischan man leevte , öwerst nu Din Broder storben , mußt Du doch den Angerhof annehmen , damit he nich in fremde Händ kümmt . Ick künn ja nich ruhig starven , un Din Mutter würd sich in't Grav ümkehren , wenn Du sowat angan laten Fritz . Seid Ihr zu Ende , Vater ? Barko . Noch nich ganz . Ick wull Di man noch seggen , dat Du Di uck de hochdütsche Sprak hier afgewöhnen un wedder ordentlich plattdütsch reden lehren mußt , sünst hebben de Lüd hier kenen Respect för Di , un denn hör min letztes Woort , entweder Du letst Din Brut , oder Du letst Din Vatter un de Wirthschaft . will ab Fritz seine Hand ergreifend : Vater , guter Vater ! bleibt und hört mich an , weshalb seid Ihr denn so hart gegen mich ; aus Liebe zu Euch habe ich meine Studien aufgegeben und bin zurückgekehrt . Wer sagt , daß meine Bildung , die ich doch nicht verschuldet , mir hinderlich sei , ein tüchtiger Landwirth zu werden , zumal Ihr noch rüstig genug seid , um mit Rath und That mir beizustehen . Im Gegentheil , ich habe mir theoretische Kenntnisse , von denen Ihr freilich nichts hören wollt , auch in der Landwirthschaft erworben , und mit Gottes Hilfe hoffe ich sehr bald den Angerhof verbessern und vergrößern zu können . Ich werde nicht spazieren fahren und Visiten geben ; ich werde arbeiten , arbeiten wie Ihr es gethan , doch nicht mit den Händen allein , auch mit dem Kopfe , und schon in wenig Jahren hoffe ich Euch zu beweisen , daß unser Acker zweimal so viel wie heute zu liefern im Stande ist . Barko . Ja woll , ja woll ! de Eier sind all immer klöker as de Höhner west . Du warst woll noch ut de Stoppeln Schwebelsticken maken . Wahrscheinlich is Din vehrnehme Brut ebenso klook , un treckt uck noch von de Ossen Melk un Botter . Fritz . Vater , ich bitte Euch , Ihr kennt Röschen nicht , warum wollt Ihr ein tüchtiges und braves Mädchen schmähen , die Ihr nie Barko . Wat , ick kenn se nich ? Dat stimmt , ick hebb se noch nich sehen , will se uck nich sehen . Oewerst sall ick se Di beschrieven , ganz genau beschrieven ? Paß up , ick fang von baben an : Up'n Kopp vull luter falsche Flechten sitt en Ding von Bloomen un Band tohoop geprünt , wat en Hoot sind sall , wat öwerst nich behöden deit , nich vör Regen nich vör Sünnenschien . Denn kümmt en Gesicht so krankhaft bleek , dat man nich erst fragen brukt , ob son Frölen in de Stadt , oder in de frische gesunde Landlust groot is worden . Ach un denn de Kledaschen von son Püppke : Föftig Ellen Spinnweben-Tüg warrn to luter Zippels schneden , wedder tohoop geflickt un mit wenigstens noch föftig Ellen Kram von en anner Farf beprünt un besett't , achter 'n grooten Sattel un 'ne Schlepp , de Strat to fegen , dat neñ'n se en Kleed . De Föt sind ingepreßt in Puppenschoh , so eng un dünn , dat se natte Föt kriegt , wenn tofällig Ener in de Stuv hett spuckt . Herr Du meines Lebens , wenn ick bedenk , dat so en upgeputztes Ding hier in Hus un Hof un Stall na Ordnung sehen süll , denn kümmt mi dat doch grad so vör , as wenn de Köster in sin'n Sünndagsstaat wull Ossen schlachten . Du wist mi inreden , ut Leev to mi bist Du torüg kamen ? Nee , min Söhn , ick weet dat beter . Du kannst mit Dine Pinselie Di nich sülben , vel weniger noch Fru un Kinner ernähren , darüm wist Du Di hier bi den Ollen in't warme Nest setten . Fritz . Vater ich bitte - -- Barko . Still ! Ick hebb niks dagegen , bliev Du hier , un war en düchtigen Landwirth , öwerst mit Din Heirathsplan un Din ganzen hochdütschen Kram sast Du mi verschonen , sünst gehst Du hen , wo Du her bist kamen und dat gliek ! Fritz . Vater ! Ihr zeigt mir die Thür ? Barko . Di nich öwerst Dine hochdütsche Fründschaft . Fritz . Vater , ich will Alles thun , was Ihr verlangt , werde ja auch unsere plattdeutsche Sprache wieder sprechen lernen , wenn es mir Anfangs auch schwer werden dürfte , doch von Nöschen kann und werde ich nimmer lassen . O verdammt sie nicht , ehe Ihr sie gesehen , lernt sie erst kennen , sie ist kein verwöhntes eitles Ding , sondern ein wohler zogenes , braves Mädchen , von Kindheit an Arbeit gewöhnt , fleißig und geschickt , so daß sie wohl eine Wirthschaft zu führen weiß und sich auch hier sehr bald zurechtfinden würde . Barko eifrig . Hier nich ! hiet nich ! Fritz kniet . Vater , seid nicht so hart , auf meinen Knieen be schwöre ich Euch ; ich kann von Röschen nicht lassen , eher lasse ich mein Leben . Vorige . Hans . Fritz springt auf , so wie Haus eintritt . Hans . Herr , dat süht na Regen ut , will'n wie nich hüt noch inföhrn ? zu Fritz wöttisch : Jung Herr , Se hebben sich de schönen Büksen schmutzig makt . ( Klopft ungeschickt auf Fritzens Knie , sich stellend , als wolle er den Staub ab klopfen . ) Se willn sich woll de Stäwel schonen , dat Se up de Knee Fritz ( zurücktretend , empfindlich ) . Kümmere Dich um Deine Sachen , Du falscher Renard und incommodire mich nicht . Hans . Wa-at ? Barko ( ärgerlich ) . Du sast anspannen un Allens fahrig maken , ick bin gliek buten . Hans . Na dat is doch dütsch , dat kann'n doch verstahn . ( Ab . ) Barko ( nachrufend ) . Nimm min Flint uck mit , wie möten versöken , de Spatzen ut de Kirschenallee to drieven . Haus ( braußen ) . Schön , ick war Alles besorgen . Barko . Fritz . Barko . Warüm fahrst Du den Haus so an , he wull Di doch blot gefällig sind ? Fritz . Der gefällig ? das ist der Einzige von Deinen Leuten den ich nicht leiden kann . Ich möchte wetten , der Mensch hat kein gut Gewissen , auch riecht er stets nach Schnaps . Barko . Dat hebb ick noch nich spührt , Du bist man immer en Beten vorilig mit Din Ansichten , Hans is noch immer toverlässig west . ( Nimmt Stock und Mütze . ) Doch nu schriev mi de Breef , un mak mi nich wedder son Puppenspill , dat paßt nich up'u Land , wie liggen hier höchstens up de Knee , wenn wie mit unsen Herrgott reden . Du makst Di lächerlich vör de Lüd . - Im Oewrigen wetst Du nu min Meinung , dabi blivt dat . Ick föhr jitzt in't Feld , nu besinn Di , un wes ver nünftig . ( A . ) Fritz allein . Fritz . So ist denn Alles , Alles vergebens . Nie wird es mir gelingen , dies harte Herz zu rühren . Es ist wahr , ich mache mich lächerlich den Leuten gegenüber , die ich nicht , die mich nicht verstehn . O meine gute Mutter , Deine wohlgemeinte Fürsorge macht mich jetzt namenlos elend . Mußte ich deshalb schon in früh'ster Jugend zur Stadt , um dem Eltern hause , dem Vaterherzen völlig entfremdet zu werden . ( Draußen schnell verhallendes Geräusch von Wagen , Peitschenknall und Gesang . ) ( Fritz geht zum Fenster . ) Da fahren sie hin , die glücklichen Menschen , die bei schwerer Arbeit so heiter und zufrieden . Auch der Vater fährt mit ihnen , weshalb nur läßt er mich allein zurück , wo Alles hinaus eilt , dem drohenden Regen die Beute zu entreißen . Scheine ich Ihm zu schwächlich , um mit seinen Leuten wett eifern zu können ? O nein , das glaube ich nicht , nur Geschick , nicht Kraft möchte mir dazu fehlen . Es gehört eben Uebung auch zur ein fachsten Sache . Er fürchtet , daß ich mich wieder lächerlich mache ; ich passe eben nach seiner Ansicht nicht zur Landwirthschaft . Nun wohl ! So soll die Kunst , die edle Kunst allein mir bleiben , wenn beides zu vereinen mir nicht gestattet ist . ( Steht vom Fenster abgewendet diesem den Rücken zu kehrend . ) Ich will fort , fort von hier , wo ich fern vom Strudel der Welt in stiller Zurückgezogenheit , mein häusliches Glück zu gründen gehofft , um ungestört ganz meiner Liebe und der Kunst leben zu können . Es ist vorbei . Ich bin enttäuscht . O mein gutes Röschen , wie nahe glaubte ich dem Ziele uns'rer Wünsche zu sein und jetzt . - ( Man hört einen Wagen , gleich darauf dumpfen Donner . ) Horch , ein Wagen . - Sollte der Vater zurückkehren ? ( geht zum Fenster ) ( es donnert . ) Nein , ich täuschte mich , es donnert , ein Gewitter steigt herauf . Gott gebe , daß es ohne starken Regen abgeht und der reiche Einschnitt dem Vater nicht verderbe . Wie herrlich stand das Korn . Wohl war es eine Lust zu sehen , wenn die vollen Aehren , vom Winde leicht bewegt , ein Wellenmeer zu bilden schienen . ( Blitz und Donner . ) Fritz . Rosa . Letztere ist leise eingetreten und lauschend hinter dem Thürvorhang geblieben . Fritz ( Rosa nicht bemerkend ) . O Röschen hatte Recht , wohl ist es schön hier auf dem Lande , doch leider nicht für mich . Der Starrsinn meines Vaters vernichtet alle meine Hoffnungen und Pläne für die Zukunft . - -- Wie werde ich es über's Herz bringen , meinem Röschen die harte Antwort des Vaters mitzutheilen . Doch Muth . - Ich will und werde mein Ziel auch ohne den Vater erreichen , noch habe ich Kraft mit dem Schicksal zu kämpfen und mir selbst den eignen Herd zu gründen , die Liebe wird mich begeistern , daß die Kunst mich erhebe . ( Blitz u . Donner . ) Sofort werde ich meine Sachen ord'nen , dem Vater meinen Entschluß mittheilen , das Grab meiner guten Mutter noch einmal besuchen und dann - Ade Du trautes Häuschen , ade ! ( singt : ) No . . Lied . Ade ich scheide nun von hier , Du trautes Vaterhaus ; Nicht hält es länger mich bei Dir , Muß in die Welt hinaus . Ihr Blümlein , die ich treu gepflegt , Müßt einsam nun verblühn , Die Hoffnung , die ich froh gehegt , Mit Euch welkt sie dahin . ( Schwächerer Donner . ) Weit muß ich in die Welt hinaus , Weiß selber nicht wohin . Kann weilen nicht im Elternhaus , Muß in die Ferne ziehn . Wer pflegt den Grabeshügel nun Du gute Mutter Dic ? Ich kann es ferner nicht mehr thun , Muß scheiden , ach von hier ! ( Leifer Donner . ) Spricht schwermüthig die letzte Strophe nach Muß scheiden , ach von hier . Hätte ich doch nicht gedacht , daß die zwei Wochen meines Hierseins genügen würden , mir das kleine Häuschen wieder so lieb zu machen , daß der Abschied davon mich fast verzagen läßt . Links ab . ( Donner . ) Rosa allein vortretend und Fritz nachschauend Rosa . Schöne Aussichten das , und gleich verzagen will er mir , das darf nicht sein . Singt : No . . Einlage . Verzage nicht , wenn einst Dein Orkan stürmet ; ( Donner . ) Wenn rings herum sich Wog auf Woge thürmet . " : Trau nur auf den , der Wind und Woge bricht , Verzage nicht , verzage nicht ! : . Verzage nicht , wenn Freunde Dich verlassen , Gott ist Dein Schutz , mag alch die Welt Dich hassen , : : Trau nur auf den , der hält was er verspricht ; Verzage nicht , verzage nicht ! : , . Verzage nicht in Deinen Unglückstagen , Noch hast Du Kraft , sie muthig zu ertragen : : Trau nur auf den , der sprach : " Es werde Licht ! " ( Heller Blitz ) Verzage nicht , verzage nicht . " . Rosa . Fritz . Fritz eilt beim Schluß des Liedes herein , Rosa stürmisch umarmend , während die Musik den Refrain wiederholt . Röschen ! Theures Mädchen , Du hier ? Rosa . Mein lieber , guter Fritz ! Fritz . Aber , um Gotteswillen , wie kommst Du hierher ? Wenn der Vater - -- Rosa schnel unterbrechend und heiter . Wie ich hierher komme ? Nun sehr einfach . Ich bin hergefahren und Du bist ungalant genug , uns weder zu empfangen , noch beim Absteigen behülflich zu sein Fritz . O verzeihe , liebes Herz , mich täuschte das Rollen des Donners , ich hatte keine Ahnung Rosa . Und so weiter u . s . w . Papperlapap . Theile mir lieber die Antwort Deines Vaters mit . Du böser Fritz , schon acht volle Tage warte ich vergebens auf Nachricht - ist das hübsch von Dir ? Fritz . O Nöschen Rosa einfallend . Es ist Alles aus ; Alles . ( Feiter ) Nicht wahr , das wolltest Du doch sagen ? Nun ich weiß es schon , denn - verzeihe ich habe Dich vorher ein wenig belauscht , würde es Dir aber auch ohnehin auf den ersten Blick angesehen haben . Nimm es mir nicht übel , Du machst ein Gesicht , wie acht Tage Regenwetter . Brrr ! Courage mein Ritter , Kopf in die Höh ! So ! So ! Siehst Du , jetzt gefällst Du mir weit besser . Nun lache einmal , bitte , bitte , versuch es doch . Fritz gezwungen lächelnd . Röschen , Du kannst noch scherzen und ich möchte verzweifeln ! Nöschen leicht mit dem Fuße slampfend Du sollst aber nicht verzweifeln , ich will es nicht . Du sollst heiter sein , wie ich es bin , denn ich sage Dir , es ist nicht Alles aus , o noch lange nicht ! Ich bin doch auch noch da , ich werde den Kampf mit Deinem Stiefvater zu Ende führen , aber siegreicher wie Du , hörst Du Fritz , siegreich . Fritz . O Röschen , Du kennst den Vater nicht Rosa . Allerdings habe ich ihn noch nicht gesehen , doch das thut nichts , die Männer sind ja alle gleich ! Verlaß Dich drauf , mir wider steht er nicht . Fritz . Du irrst mein Kind , er ist hart und unerbittlich . Rosa heiter . O sieh einmal ! Es fällt mir auch jar nicht ein , ihn zu bitten , im Gegentheil , Dein Vater soll mich bitten , ja ! gewiß , sehr soll er mich bitten , hier zu bleiben und ihn zu hätscheln und zu pflegen , wie ich meine Mama gepflegt , ehe der böse Tod sie mir entrissen . ( Es blitzt . ) Fritz . Aber Röschen , erkläre mir- Rosa eisrig . Erklärungen sind immer langweilig , doch draußen ist die Miethsfrau , die Seelbach , die soll Dir erklären , wie es anzufangen ist , das Herz Deines Vaters zu bezwingen . Ich hörte gestern von ihr , daß sie Auftrag von Deinem Vater habe , eine andere Wirtschafterin hierherzuschaffen , weil er in seinem Eifer die alte Hanne fortgejagt . Darauf baute ich sofort meinen Plan , wohl ahnend , daß mein sentimentaler Held hier noch nichts Ersprießliches ausgerichtet habe . Da Dein Vater mich noch nie gesehen , soll er mich erst als seine Wirthin , nicht als Deine Braut kennen lernen . Heiter . Bin ich erst ein Paar Wochen hier , o dann müßte es doch sonderbar zugehen , wenn Dein Vater nicht wünschen sollte , eine so tüchtige und liebenswürdige Wirthin , wie ich bin , für immer um sich zu behalten . Ha , ha , ha ! Wenn er mich nur erst aufgenommen hat , und das wird Frau Seelbach schon besorgen ; Butter und Käse verstehe ich längst zu machen , melken muß die Kuhmagd und kochen kann ich , kochen ! - ich sage Dir , alle zehn Finger soll sich Dein Papa nach meinen Speisen lecken . Fritz . Ha ha ! Rose . Ja ! - Also nicht verzagt mein Schatz , alles Uebrige wird sich finden ; Frau Seelbach muß rathen und helfen . Auft . Aber Frau Seelbach , so kommen Sie doch herein ! ( Ganz schwacher Donner . ) Fritz . Aber Kind , ich bitte Dich , Du wolltest mit Deinen zarten Händchen hier Rosa . Papperlapapp ! - Meine zarten Händchen sind schon in einer größeren Wirthschaft thätig gewesen und werden auch hoffentlich hier nicht zerbrechen . Uebrigens sei ganz ohne Sorge um mich , ich denke mich durchaus nicht über die Maßen anzustrengen , ach , Gott bewahre ! Nur grade so viel , wie nöthig ist , um die Wirthschaft gut in Ordnung zu halten und Deinem eigensinnigen Papa begreiflich zu machen , daß auch ein Stadtdämchen eine tüchtige Landwirthin sein kann . Fritz . Röschen , Du liebes , herziges Mädchen ! Will sie umarmen . Rosa neckisch . Halt , mein verliebter Ritter ! Wir kennen uns nicht - garnicht , verstanden ? Komme ich mit Frau Seelbachs Hülfe hier an , so mußt Du fort , weit fort . Erst auf Deines Vaters ausdrücklichen Wunsch lernen wird uns kennen ; später mein Freund , hörst Du ? Später . " Ich hoffe , Du wirst Deine Rolle begreifen und standhaft durchzuführen suchen , sie ist ja nur leicht , ha , ha ! ich habe jedenfalls die schwerste Partie . Sicherer ist es jedenfalls , wenn Du Dich in zwei Jahren hier garnicht sehen läßt , wir möchten bei einem Besuche Deinerseits beide aus der Rolle fallen . Fritz . Zwei Jahre ? so lange soll ich noch warten , ohne Dich sehen und sprechen zu dürfen , das ertrage ich nicht . Rosa . Ei was , zwei . Jahre sind keine Ewigkeit , ich gebe Dir Küsse mit , macht grade auf jeden Tag einen und Sonntags zwei , damit kannst Du auskommen . Außerdem ist es doch auch nicht so ganz gewiß , daß es mir gelingen wird , das Herz Deines bärbeißigen Stief vaters für uns zu gewinnen . Also mußt Du doch inzwischen auf alle Fälle uns anderweitig eine Häuslichkeit zu gründen suchen , und das geht nicht so schnell , mein Schatz . Aber weißt Du , vor zwei Jahren will ich auch garnicht heirathen , nein , Gott bewahre ! Frau Seelbach sagt , ich sei noch zu jung , und was die sagt , das glaube ich entschieden , sie meint es gut . ( Frau Seeibach ist kurz vorher eingetreten und hat die letzten Worte gehört . ) Vorige ? Frau Seelbach . Fr . Seelbach ( für sich . ) Das gute Kind . Rosa ( sie erblickend ) . Ach ! da ist sie ja . ( Vorstellend . ) Mein Bräutigam . Fr . Seelbach . Still ! still , mein Kind , wenn Ihr Plan gelingen soll , so darf vor allen Dingen Eure Liebe zu einander nicht verrathen Fritz . Sie haben Recht , gute Frau , ( reicht ihr die Hand , sie artig zum Großstuhl führend ) ich zweifle jedoch , daß mein Vater Röschen aufnehmen wird , die Städter sind ihm verhaßt , und die Städterinnen leider noch mehr . Schön die Kleidung , selbst die Sprache ist ihm zuwider ; er nimmt sicherlich nur eine ländlich gekleidete und plattdeutsch sprechende Wirthin auf . Will er mir doch sein Haus verschließen , falls ich mich nicht nach seinem Geschmack verheirathen will . Rosa . O , das haben wir schon erfahren , und auch dafür ist bereits gesorgt , mein Lieber . Ein passender Anzug liegt schon für mich im nächsten Dorfe bereit ; dorthin wollten wir soeben , weil wir aber fürchteten , in unserm offenen Wagen vom Regen überrascht zu werden , sind wir hier eingekehrt , nachdem wir vom Schäfer unterwegs erfahren , daß Du allein zu Hause seist . Siehst Du , guter Fritz , das Glück begünstigt uns . Du bist nun vorbereitet ; das Gewitter zieht vorüber , jetzt können wir weiter fahren . Alles geht nach Wunsch . In höchstens zwei Stunden sind wir wieder hier , um mit Deinem Vater zu verhandeln . Sorge , daß wir Dich dann nicht hier treffen , ich fürchte , Du fällst aus der Rolle . Doch nun noch Eins , mein Schatz : Du glövst , ick kann nich plattdütsch snaken ? O , min leev Fritzing , da kennst Du mi schlecht ; dat hebb ick bi Unkel Gustav in Geiersdörp all lehrt un dörchut noch nich vergeten , as Du hörst . Nich Fru Seelbach ? Dat ward sich Allens maken , uns' Herrgott ward uns nich verlaten . Doch nu Adjüs , min Schatz , schriev mi hübsch bald wo Du blivst , de Adreß kannst Du an Fru Seelbach richten . Adjüs , min leev Fritzing , bliv mi gesund un tru , dat Anner findt sich Allens . Fritz leidenschaftlich sie umarmend . Röschen , himmlisches Mädchen ! Du Sonne meines Lebens , wie soll ich Dir danken . Neue Hoffnung , neuer Muth beseelen mich , sobald nur Du mir nahst . O Du haft Recht , jetzt ist noch nicht Alles , aus , Dir wird es sicher gelingen , den Vater zu versöhnen , aber auch ich werde nicht müßig sein . Der Vater ver achtet die Kunst , weil sie mir bis jetzt noch wenig eingebracht . Aber ich schwöre Dir bei uns'rer Liebe , daß ich nicht eher ruhen werde , bis ich , unabhängig vom Vater , selbst im Stande bin , ein eig'nes Heim uns zu erwerben . Zwei Jahre sägtest Du , wollen wir warten ; gut , es sei , ich werde die Zeit zu nützen wissen . Noch in dieser Stunde will ich meine Abreise vorbereiten . Ihnen , Frau Seelbach , vertrau' ich diese Waise als mein theuerstes Kleinod an ; ich bitte Sie innig , Mutterstelle bei meinem Röschen zu vertreten . Da Sie ja mit meinem Vater bekannt sind , werden Sie am besten Gelegenheit finden , Röschen zuweilen helfend und rathend zur Seite zu stehen . Nicht wahr , gute Frau , Sie ver sprechen mir dies ? - Ich werde Ihnen ewig dankbar dafür sein . Fr . Seelbach . " Sprechen Tie nicht von Dank , junger Herr , was ich kann , thue ich schon dem lieben Kinde zu Gefallen ; darauf können Sie sich fest verlassen . Fritz . Recht , gute Frau , Sie werden - -- Fr . Seelbach . Still , stil . ! Wir haben keine Zeit mehr zu Erklärungen , wir müssen fort , es ist die höchste Zeit , Ihr Vater kann jeden Augenblick vom Felde wiederkehren . Rosa . Frau Seelbach hat Recht , lieber Fritz , wir müssen eilen , lebe wohl und sei ohne Sorge um mich . Auf Wiederseh'n ! - -- Fritz . Auf Wiedersehen nach zwei Jahren ! ( Während der Umarmung heller Blitz . ) Der Vorhang fällt . Ende des ersten Actes . Zweiter Act . ( Freie Gegend , ein gemähtes Roggenfeld vorstellend . Links an der . Coulisse ein Baum . Je nachdem es der Raum gestattet , sieht man im Vordergrunde ein bis zwei Reihen Aehren , in der Ordnung , wie das Korn gemäht wird , liegen . Im Hiutergrunde wird von Mädchen gleich beim Aufzuge das Nachharken dargestellt ; ein wenig später wird- auch das im Vordergrunde liegende Korn von Knechten aufgeharkt , zu kleinen Garben gebunden und solcher Garben zu einem Haufen aufrecht gestellt . Auf größeren Theatern würde auch das Einfahren zu markiren sein , während an kleineren Bühnen das Aufstellen des Haufens ( Mandel ) besser vorher besorgt wird . - Dilettanten können das Stück sehr leicht mit Fortlassung des zweiten Actes überhaupt aufführen . ) Hans , Jochen , Michel , Liese , Grete und Chor der Arbeiter und Mädchen singen : No . . Lied . Das Wetter zieht vorüber , Nun an die Arbeit wieder ; Bringt schnell das Korn zu Hauf ! Bringt schnell das Korn zu Hauf ! Halli , Hallo , Hälli , Hallo Die Arbeit macht uns frei und froh . Halli , Hallo , Halli , Hallo ! Die Arbeit macht uns froh . Die schwachen Mädchen harken , Es binden nur die starken , : Der Großknecht setzet auf : . Halli , Hallo ec . Geht es nach unserm Willen , Woll'n wir die Scheuern füllen , : : Bis hoch zum Dach hinauf . : : Halli , Hallo ec . Der Landmann baut die Felder , Der Städter schafft die Gelder , : So leben beide froh . : : Halli , Hallo rc . Der Bauer drischt die Garben , Sonst muß der Städter darben ; : : Drum leh' der Bauer hoch . : : Halli , Hallo rc . Und sind gefüllt die Scheuern , Das Erntefest zu feiern " . Sind wir dann tüchtig da . : . Halli , Hallo rc . Dann trinken wir und singen , Da tanzen wir und springen : Und küssen unsern Schatz . : , : Halli , Hallo rc . Hans welcher eine kleine Schnapsflasche bei sich führt , zeitweise verstohlen daraus trinkend , hat sich vor Schluß des Gesanges der Grete genähert und vergeblich sie zu küssen versucht . Jochen steht , aufsetzend , beim Haufen . Na nu lat't man bald dat olle Gequar , un makt dat Ji endlich de Schwadd in Mandeln kriegt ! Hans , lat doch de Derns tofreden . Schickt sich dat för'n Grotknecht Sötholt to raspeln bi de Arbeit ? Wat söln denn de Annern don ? Hier help mi de paar Mandeln fahrig , eh de Buer kümmt , nahsten will'n wi Hans . Nu nu ! man nich gliek so kratzböstig , ick kam all . Du hest dat jo hellschen hilt för Dinen Buern , wenn't son Noth harr , künn de jo sülben helpen mit sammt sin vörnehmen jungen Herrn , de to Hus rum fulenzt . Kriegst woll en Markstück mehr de Woch , dat Du mi kuntroleren sast , wat ? Orer steckt Di Greten in de Näs ? de nimmt Di doch nich . Nich Greten ? Grete eifrig . Na Di doch erst recht nich , Du olle Dämelsack ! Up Di harr'k just noch luert , kümmst mi noch ens , denn nehm'k den Harkenstel . Alle lachen . Jochen . Recht so Greten , wisch em düchtig . Seine Uhr ziehend . Na nu samt man , 't is wahrhaftig all Vespertied . Hinausrufend Crischan , bring de Tabel un mein Kittel mit , will'n vespern ! Hörst Du ? Rufe ; Bespern ! Bespern ! Die Vorigen . Crischan mit Jochens Kittel , Knechte und Mädchen mit Taschen und Körben rtc . treten auf . Alle lagern sich , Eßwaaren hervorkramend . Hans aus einem großen Kruge , der die Runde macht , dem Jochen zutrinkend . Prost Jochen ! Willn uns wedder verdragen . Jochen hat seinen Kittel übergezogen . Prost Hans ! Wie hebb'n uns jo noch nich vertörnt . Dem Michel wieder zutrinkend , der in gleicher Weise den Krug , auch den Mädchen zutrinkend , weiter giebt . Prost Michel ! Hans . Dunner un Düvel , wo schmeckt de Schnaps hüt wedder schlecht . Kratzt nich en Beten , den hebb'n s' gehörig döpt , de is jo as dat reine Water ; wat meinst Du , Jochen , schmeckt he Di ? Jochen . En Beten flau is he , öwerst ick mag em uck nich so scharp , un Du mußt doch uck bedenken , dat de Frunslüd uck von drinken möten , de warn uns sůnst jo blau . Haus lacht . Na davon nich . Du bist doch uck en Kerl as son olles Wiev ; mi dücht , de Schnaps is uck noch för uns' Frunslüd to schwach , wat seggst Du Greten ? Grete . Ick segg dat Du'n oll Suptäk bist . Mi is de Brann wien vel to stark , en Schluck recht gooden Caffee wär mi leever . Hans . Caffee ? ja dat glöv ick sacht ; Di wär dat immer all gefährlich fien ant Liev ; Du wist woll mol en Doctor frien ? Kieck Lieschen doch mal an , de nimmt en annern Zug . Liese . Je ick hebb uck Döst . Oevrigens verbidd ick mi dat Uemdöpen en beting von Di Hans , ick heet Liesing un nich Lieschen . Lieschen hitt den Herrn sin Riedperd . Hans . Na " Liesing " dat is mekelbörgsch , un wie sind hier in Michel . Ach wat , striedt Ju doch nich immer , leverst soll uns Liesing en von er mekelbörgschen Leeder singen ; dat klingt so schier , as wenn de Köster beiern deit . Liese . Ach nee , min Höhning ! ick sing nich up Commando , un sied de Herr min Schwester Hauning wegjagt hett , sing ick Ju janiks mehr . Hans . Je , mit de wär dat uck Tied ; de hett uns Eten kakt , echt mekelbörgsch , keen Hund künn dat verdauen ; un Brod hett se doch backt , so schwart as Rautz in'n Schornsteen . Harr dat noch länger durt , wär ick verhungert . Liese . Je , Du bist uck man Schuld , Du wetst jo immer wat . Is dat Eten nu denn beter ? De oll Susing brugt ok wat Schiers torecht . De kann jo nich mehr kieken . Hüt morg'n wull se mi recht wat to Gooden don , un mi den Caffee söt maken , ratsch , schmitt se mi en Hand vull Solt statt Zucker mang . Michel . Je de Ollsch is so verleevt , se ward an eren Schatz hebb'n dacht . Wie krieg'n dis Dag en anner Käksch . Grete . Wer is denn woll er Schatz . Liese . Dat ward doch Michel sind . Alle lachen . Michel . Na ick Dank för Suschen , min Großmutter künn se eher wesen . - Oeverst Derns , nu singt en Beten . Greten , wenn Liesing nich will , denn mußt Du ranner . Du kannst jo uck up Platt dütsch singen ; dat hör ick jo to gern , de olle hochdütsche Kram geht lang nich so to Harten . Sing min Dern , ick gev Di uck en Schmatz up beide Backen . Grete . Ick war Di'n Ohrfeig geb'n up beide Backen . Schlägt ihn auf die Wange . Leever do ick't ümsünst . Gelächter . Michel sich die Backe reibend , zu Liefe . Dunner Düvel , de schleit en goode Handschrift , dat wär glupsch . Kiek mal Liesing , is de Back nich rod un dick ? Liese . Arme Jung , Du warst en schewen Kopp kriegen ; ick war die fix en Plaster leggen up de anner Sied . Schlägt ihn auf die andere Wange ; Alle lachen . Michel . Dunner Düvel , de versteht't noch beter . Sich die Wange haltend . Na tövt man , up de Austköst danz ick nich en Schritt mit Ju . Jochen . Na Greten , nu sing uns fir en Strämel , denn gat wi wedder an de Arbeit . Grete . Na denn möt ick woll . Eingt : No . . Lied . Ick sall Ju wat sing'n Von Freud und von Lust , Un doch will mi spring'n Dat Hart in de Brust . Min Hart is so krank , Min Hart is so schwer . Ick möcht woll wat sing'n Un kann doch nicht mehr . Ick wünsch mi en'n Schatz , So tru un so good , Just as ick em sehn , So frisch un so roth . Min Schatz is so frisch , Min Schatz is so roth , Min Schatz is min Leb'n , Un doch för mi dood . Rufe : Ach wo schön ! Grete weinend ab nach rechts . Vorige ohne Grete . Jochen . Na nu ! Wat is denn dat , Greten weent ja woll ? Liese . Dat is niks Niegs , wenn se singt , denn weent se immer . Hans . Je se mag woll Ursak-hebben ; ick glöv , de hett unsen jungen Herren to deep in de düstern Ogen keeken . Jochen . Dunner un de Düwel ! Kiekst Du Kater ut de Luk ? Dorüm is de Dern uck all sied vierthein Dagen so upsternatsch to mi . Na töy ! Hans . Na segg mal Jochen , is dat nich 'ne Schand , wi möten uns hier quälen , un de junge Herr , de grote Bengel liggt to Hus up de fule Sied noch to jitzt in'n Aust , wo wi nich Mannschaften nooch - -- Jochen unterbrechend . Still , mi dücht , ick hörte scheeten , de Herr ward kamen . Wat helpt all dat Reden , wenn de Schoh nich passen . Flink an de Arbeit , de Tied is um . Rufe : An de Arbeit ! de Herr de kümmt . Alle rüsten und gehen ebenfalls nach rechts ab , folgende Strophe des ersten Liedes singend : Gestärkt sind neu die Glieder , Jetzt an die Arbeit wieder Mit frischer Kraft und Lust . : . Halli , Hallo rc . Alle ab . Hans welcher zurückkehrt , nimmt den Krug , trinkt tüchtig , läßt ihn dann bei den auf gestellten Garben stehen und geht wieder langsam rechts ab . - Während nun der Gesang in der Ferne verhallt und auch die Musit die letzten Tacte spielt , tritt Barko auf . Barko . Hans . Barko mit Flinte von links , Hans zurückrufend . Hans , Hans ! Hans angetrunken kommt vor . Hier bin ick Herr , wat sall ick ? Barko . Ick glöv , dat Weder ward sich hollen . Makt , dat Ji den Roggen hüt noch inkriegt ; wi möten morgen an den Waiten gahn , dat is de höchste Tied mit em , he is up Stell'n all överriep . Stellt die Flinte an einen Baum . Hans . Je Herr , wo sall dat möglich sind ? Wi krieg'n doch hüt nich mehr den Roggen in de Schün'n , dat is denn doch to vel ; dood arbeiden kann'n sich doch uck nich grad . Je , wenn'n noch orndlich wat to drinken harr ! Barko . Dood arbeiden ? Wat dröhnst Du da , glövst Du , ick künn mi nich bereken , wat Ji hüt noch schaffen könt ? Hebb ick all mal to vel von Ju verlangt ? - Dat beten Korn is doch bi gooden Willen för all de Lüd man Spälerie . Doch wo Du rut wist , dat weet ick woll ; Du meinst ick süll noch erst en Faß vull Brannwien schicken , damit de Meisten sich erst besupen , un denn erst recht niks don . Dat geht nich los , min Söhn . Mi dücht , Du hest hüt uck all nooch . Ick glöv , Du bist jetzt up den besten Weg den Drunk Di antowennen . Wenn ick dat mark , denn is't vörbi mit uns ; min Grotknecht darf nich supen , dat lied ick nich . Verstehst mi woll ? Hans . Wem seggt all dat ick supen do ? Oeverst in'n Aust gehört en dücht'gen Schluck , dat is bi jeden Buern Mood ; doch uns' oll Tügs , dat is as Water , dat paßt mi lang nich mehr , un wennt nich anners ward , denn gah ick af . Barko . Wat wust Du don ? Du Worm , den ick halv ver hungert up de Landstrat funn , un rein ut Mitleed in min Hus hebb nahm'n . Du wust mi hier en Schippstohl setten ? Jitzt in'n Aust , wo mi de Lüd so knapp . Is dat de Dank , Du Lümmel , för all dat Goods , wat ick an Di un Dine Mutter dahn ? Erhebt drohend seinen Stock . Gliek an de Arbeit , marsch ! ! Hans jetzt schon sehr betrunken . Wat , Ii will'n mi schlagen ? Ick bräk Ju'n Hals ! Ergreift die Flinte . Nu kumm mi man to nah , ick scheet Di dood , wi'n dullen Hund . Dat ganz oll Buervolk is uck niks Bäters werth . Wi möten uns quälen , Dagut , Dagin , för niks , un Ji liggt up de Sied un fulenzt in de Wedd mit Jugen vörnehm'n jungen Barko . Lümmel , dat kannst Du mi beeden ! Du ? ! . Versap'ne Hund , ick schlag Di'n Brägen in , gehst Du nich fortsten an Din Arbeit ! Hans legt auf Barko an . Trügg segg ick ! Noch enen Schritt , denn hest Du de Ladung Schroot in de Ogen . Versprekst Du nich mi duvvelt Lohn to geben , un Brannwien uns herut to schicken Vorige . Fritz . Später Grete . Fritz reisefertig , ist bei den letzten Worten schnell aufgetreten . Um Gotteswillen ! Was geht hier vor ? Ha , der saub're Hans ! Hallunke läßt Du Deine Maske fallen ? Her mit der Flinte . Entreißt sie ihm und sucht mit der Nechten den Haus zu halten , während er mit der Linken die Flinte von sich streckt . Grete herbeistürzend . Hans , Hans ! Wat mökst Du hier , bist Du denn verrückt worr'n ? Fritz . Mädchen nimm die Flinte ! Grete nimmt die Flinte , selbige sofort auf Haus anlegend , welcher schwer mit Fritz ringt . Hans lat von den jungen Herrn af , orer bi Gott in'n Himmel , ick scheet Di dood . Barko . Mäken scheet nich ! Her mit de Flint . Nimmt die Flinte De söln er Sak alleen utmaken , ick will doch sehn Fritz hat Hans geworfen , welcher einen Augenblick wie besinnungslos liegt . Da liege Hund und wage es nicht mehr , den Vater anzurühren . Zu Varko : Was wollte denn der Wicht von Euch ? Barko . He is besapen , dat is Allens . Reicht Fritz die Hand . Fritz . Gott , sei Dank , ich seh' Euch unverletzt , ich kam zur rechten Zeit . Auf Hans deutend . Ich werde ihm doch Nichts zerbrochen haben ? Barko lacht . Wes unbesorgt , de is von Stahl un Isen ; he is man so besapen , dat he nich upstahn kann , sünst wär Di't schlecht be Grete zu Haus gewendet . Oll Farken , wist gliek up ! Hans . Gah mi ut de Ogen ! Barko zu Grete . Hal mi doch mal de Pietsch von Wagen , ick war em an de Arbeit bringen . Grete ab nach rechts . Hans söhnt . Ick kann nich Herr , ick bin besapen , nehmt mit nich övel , wat deit'n nich in'n Drunk . Barko . Na wenn't man insühst , denn geht't noch . Ruft . He Michel , Jochen , kamt mal her ! Vorige . Michel . Jochen treten auf . Jochen . Na wat is nu , is Hans all wedder fahrig ? Michel hat den Krug untersucht , welcher leer . Dat hebb ick dacht , de Hans Barko . Schmiet't dat oll Farken up'n Wagen , un schickt em mit nah Hus , dat he sich utdusseln kann . Denn makt man dat Ji mit den Roggen , wenn't möglich is , hüt fahrig wart . Jochen . I Herr , dat sall so lang woll nich mehr duern , ick dacht , wi wullen hüt noch an den Waiten ran . Hans wull ja sehn wo't damit wär , statt dessen het he hiez in Brannwien sich besapen . Na denn man los , kumm Michel fat mit an ! Schleppen mit Haus ab . Barko . Gott Du bewohr , wo is de Kerl besapen . Barko . Fritz . Fritz . Glaubt Ihr wirklich , Vater , daß der Bengel so betrunken ? mich dünkt , er stellt sich nur so an ! Barko . Wenn he nich dun wär , harr he sich nich so vergeten , mi de Flint up dat Liv to hollen ; he is sünst nich so schlecht . Ick weet nich , wat den Bengel in den Sinn is kamen , he hett woll annern Arger hat . Fritz . Mein Gott ! Vater , wenn er Euch erschossen hätte . Barko . Unsinn ! He dacht mi blot in Angst to setten , dat ick em högern Lohn füll geben ; scheien harr he in'n Leben nich . Fritz . Kann sein , auch nicht ! Wie leicht auch konnte das Gewehr sich selbst entladen und das größte Unglück hier geschehen . Ihr werdet doch nicht ferner noch den Kerl behalten ? Ich hätt ihn auf der Stelle Barko . Wo denkst Du hen , erst recht sall he nu blieben ; ick war mi doch nich fürchten . Lat em man nüchtern war'n , denn red ick dütsch mit em . Ick kenn em to genau , wenn he erst utdusselt hett , denn bidd't he af , un is de Best von Altosam'n . Doch dat is mine Saak ; nu sejg mi , wať Du wist ; wo jeht dat to , dat Du hier twischen kämst ? Ick denk Du schriffst de Breef un mökst mi de Klag fahrig . Fritz . Ist schon geschehen ; hier sind die Briefe , lieber Vater . Giebt sie ihm . Ich kam hierher , um Abschied von Euch zu nehmen . Barko . So wist Du weg ? Fritz . Verzeiht mir , Vater ! Gott weiß , wie gern ich bei Euch bliebe ; doch von Röschen lassen , kann ich nicht . Ergreift Barko's Fand , sie küssend . Lebt wohl , Ihr seht mich glücklich , oder niemals wieder . Behüt Euch Gott ! Schnell ab nach links . Barko . Fritz ! Fritz ! Der Vorhang fällt . Ende des zweiten Actes . Dritter Act . ( Platz vor Barko's Hause . Im Hintergrund das Wohnhaus mit großer Thür und Fenstern , welche zwar undurchsichtig , jedoch von innen erleuchtet werden können . Ueber der Thür hängt die vorjährige Erntekrone . - Rechts ein , sich dem Wohn hause anschließender , zweistöckiger Seitenflügel mit kleinerer Thür , welche mehr nach dem Hintergrunde zu gelegen ; oben mehr nach dem Vordergrunde ein praktisches Fenster . Im Vordergrunde links eine größere Glocke mit Strang . - Ferner ein Birnbaum , vor diesem eine kleine Bank und ein Spinnrad . Auf der Banke liegt ein hellfarbiges Umschlagetuch . Von dem Baum bis zum Seitenflügel , also quer über die Bühne , ist eine starke Zeugleine gespannt , worauf etwas Wäsche , wie zum Trocknen , hängt ( am besten Strümpfe und Taschentücher ) . Links müssen scharf markirte Ausgänge sein . ) Nosc allein , in ländlicher Tracht , steht auf einem kleinen Tritt oder Schemel mit Ab nehmen der Wäsche beschäftigt . Singt : No . . Lied . O wie schön ist's auf dem Lande ; Glaubt's ihr Städt'rin'n sicher mir : Lange Schleppen am Gewande , Sie beläst'gen uns nicht hier . Leicht gekleidet , um die Wette Springen mit dem Lämmchen wir . Nimmer stört uns Etiquette Und der höh're Blödsinn hier . Singen kann ich hier und tanzen ; Fürchte kein Gered' der Leut' . Kann mir selber Blumen pflanzen Und sie pflücken , wenn's mich freut . Heiter jauchz' ich früh am Morgen Schon im Garten , auf dem Feld' ; Kenne weder Gram noch Sorgen , Brauche weder Putz noch Geld . Ja 's ist herrlich auf dem Lande , Glaubt's ihr Städter alle mir ; Fesseln Euch nicht stärk're Bande , Eilt hinaus , und kommt zu mir . Ist herunter gestiegen . Ach ja , es ist schön hier , sehr schön ist es ! Aber daß der böse Fritz nicht heute schon zum Erntefest gekommen , das ist schlecht , grund schlecht von ihm . Wie gern wäre ich mit ihm aufs Vorwerk gegangen , da ist ein Jubel ! Da tanzen sie heute schon . Die große Pauke ist mitunter bis hierher zu hören . Ach , und Vater Barko hat auch müssen tanzen , zweimal mit der Liese . Ha , ha , ha , das wird ihm sauer geworden sein ! Das hätt' ich sehen mögen . Aber wo er nur bleibt ? Die Sonne geht schon unter und ich wollte heute recht früh zu Bette gehen , denn morgen früh , sehr früh , kommt ja mein Schatz , mein guter Fritz , und dann wird hier getanzt und Erntefest gefeiert . Ach Gott , wie ich mich freue . Sucht im Bufentuch . Wo hab ich nur den Brief , ich muß ihn immer wieder lesen , hier ! ziest : Mein herzig süßes Schätzchen ! Unterbricht sich , sprechend : Ach Gott , wie das so reizend klingt ! sien : Die frohe Nachricht , daß mein Glück den Vater günstiger gestimmt , hat mich , wie Du wohl denken kannst , noch mehr , wie die Prämiirung meines Bildes gefreut ; ich werde nicht versäumen , den günstigen Zeitpunkt wahrzunehmen , und zum Ernte fest erscheinen , doch komme ich erst am zweiten Tage Eures Festes , es ist nicht eher möglich . Bis B . . . benutze ich die Post , von dort komme ich per pedes ; ich kann mir den Spaziergang durch den Wald doch nicht versagen . Am zehnten früh mit Sonnenaufgang bin ich bei Dir , mein Herz , und hoffe , daß dann auch die Sonne unsers Glückes endlich uns erscheinen werde . Doch nun merk auf , mein süßer Schatz , ich habe noch eine recht frohe Nachricht für Dich in potto : Denk' Dir , der Lord hat sein Gebot verdoppelt , und Hbe ich ihm nun das Bild ohne Zögern auch verkauft ; die Summe dürfte hinreichen , uns eine , wenn auch nur bescheid'ne Häuslichkeit zu gründen , falls es uns nicht gelingen sollte , beim Vater Wohnung zu erhalten . Nun lebe wohl , mein kleiner Schelm ; ich zähle schon die Stunden bis Dich umarmen kann Dein ewig treuer Fritz Den Brief küssend , spricht : Ach Gott , der gute Fritz ! Wie ich mich freue , ihn endlich wiederzusehen . Aber , aber ! Die Sonne unseres Glückes dürfte , fürcht' ich , noch viele trübe Wolken zu durchbrechen haben . Wie betend : Ach lieber , guter Gott ! jetzt steh' uns gnädig bei , daß Sohn und Vater endlich sich versöhnen . Sie sind ja beide gut , so herzensgut . Den Brief aus Herz brückend und dann verbergend . Aber Du , mein theurer Fritz , bist doch der allerbeste . Ist vorher mit der Wäsche fertig geworden , setzt sich nun zum Spinurad . Es dämmert schon , und noch immer kommt Vater Barko nicht . Fast ängstige ich mich . Rosa . Hans . Hans schleicht sich , von links kommend , hinter den Baum und lauscht . Rosa weiter sprechend : Doch nein , jetzt fällt mir's ein , er hat mir ja heute einen Hasen versprochen ; o weh , da bleibt er sicher sehr lange aus , nun hetzt er selbst sich wieder ab , nur um mir sein Wort zu halten . Der gute , alte Mann , wie wird er doch verkannt ; hart , finster und grausam soll er sein ? Ha , ha , ha ! weich wie Wachs ist sein Herz , der stellt sich nur so an . ( Es beginnt zu dunkeln . ) Freilich strenge ist er , sehr strenge ; aber das muß er ja auch sein , wenn er so viele Leute und die Wirthschaft in Ordnung halten soll ; und er hält sie in Ordnung und ist stolz darauf . Ja streng und stolz ist er , schrecklich stolz auf seinen Stand , das ist sein einziger Fehler . Aber lieber Gott , ein jeder Mensch hat Fehler , wir sind ja alle keine Engel ! Hans halblaut . Doch , doch ! Du bist'n Engel . Du alleen . Rosa erschreckt aufspringend , das Spinnrad bei Seite schiebend . Was war das ? Erblickt Haus . Dacht' ichs doch , der Hans ! Platt sprechend : Wat sall dat heeten Hans ? ick war den Herrn dat klagen , wenn Ji mi immer na slieken . Ick hebb mi so verfiert , mi zittern alle Glieder ; ick denk Ji sind up't Vörwark , danzen . Hans . Ick danzen ? Nee ick hebb keen Dänzerin . Nehmt mit nich äwel , Jungfer Marten , ick kann enmal nich anners , ick bin krank , sehr krank . Rosa . Na denn gat doch na'n Docter . Da bin ick just . Ii könt mi helpen Jumfer , Ji alleen . Min Krankheit zeigt auf sein Herz sitt mi hier , da helpt keen Docter to . Rosa . Gat Juge Weeg , Hans ! ick hebb Ju oft nooch seggt , dat ick sowat nich hören mag . Will gehen , Haus vertritt ihr den Weg . Hans . Worüm nich Jumfer , ick bin Ju doch so good , so hartensgood , hört mi doch an , hebbt Ji denn ja keen Hart in Inge Brust . ( Es dunkelt mehr und mehr . ) Rosa . Hans lat't mi gan ! Ick bidd Ju nu in Goodem , ick will niks hör'n , ick ängst mi blot vör Ju . Hans . Ach Jumfer gevt m doch de Hand , en enzig Mal will Rosa . Hans lat't mi gan , ick treck de Etenklok un kling de Lüd to hoop . Greift zum Glockenstrang . Ji rüken jo na Schnaps . Hans ergreift schnell ihre Hand , sie verhindernd , die Glocke zu ziehen . Jungfer gevt mi en enzgen - -- will sie küssen . Rosa Haus mit Kraft zurückstoßend . Gat Schuft ! Ii sind besapen , ein schuell ins Haus , die Thür hörbar verriegelnd . Haus allein . Haus wüthend . Schuft ? en Schuft bin ick ? versucht die Thür zu öffnen . Na töv ! verriegelt ? schön ! Töv man , Du stolze Dern , dat warr ick Di gedenken . Din Hochmood kümmt vör'n Fall . Di krieg ick doch , verlat Di drup , un wenn ick Di mit Gewalt süll Nachts ut Din Stuv , rut halen . Min sast Du warrn , un wenn't min Leven kost . Ha , ha , ha ! De Stadtplant denkt , se is to schad förn Buren . ab nach links . Rosc aus dem Fenster sehend . Er ist gegangen , Gott sei Dank ! Vielleicht kommt Vater Barko bald . O Gott , wie fürcht ich mich ! schließt das Feuster . Frau Seelbach . Frau Seelbach von links , allein . Es ist noch finsterer geworden . Kein Mensch zu sehen , der ganze Hof wie ausgestorben , es können doch nicht Alle auf dem Vorwerk sein ? geht zur Thür , versucht zu öffnen . Zu ? Hmn , hm . Geht zur Thür des Seitenflügels . Auch zu ! Wo mag denn Röschen sein ? Sich umsehend . Ah sieh da , ihr Spinnrad und ihr Tuch , nun , dann ist sie sicher auch nicht weit . Ich werde hier ein wenig warten , dies Plätzchen ist so schön und ich bin müde von dem kleinen Marsch . Ich möcht doch gerne wissen , ob Röschen schon Zeit gefunden , den Brief zu lesen , den ich ihr heute mitgebracht , ach und so neugierig bin ich doch , vielleicht erzählt mir Röschen , was ihr Schatz geschrieben hat , ich denke mir , er wird wohl morgen zum Erntefeste kommen wollen . Ach Gott , wie wird sich Röschen freuen , wenn sie ihn wiedersieht . Zwei Jahre wollten sie nur warten und nun sind doch schon drei vergangen , daß sie sich nicht gesehen haben . Ja , ja ! so schnell geht's immer nicht , und Gott mag wissen , ob's nun Hochzeit giebt . Dem alten Brummbär ist nicht viel zu trauen . Was wird der zu der Liebschaft sagen ? Zumal wenn er erfährt , daß Röschen nur um Fritzens willen von uns hier eingeschmuggelt ist . Ei , eis ich fürchte ohne Sturm geht's doch nicht ab . Röschen meinte zwar , sie könnte sich den Alten um den Finger wickeln und es wär' ihm schon lange leid , daß er den einzigen Sohn so hart behandelt ; aber , aber , alte Leute sind immer wunderlich , gähnt na , na , er kann sie doch nicht fressen , man wird ja sehen gähnt . Ach Gott , es wird schon finster , ich werde wohl bei Röschen wieder übernachten müssen , wenn sie nur käme , ich bin recht müde , gähnt wieder recht müde - -- schläft ein leise im Schlaf sprechend . Frau Seelbach . Rosa . Rosd kommt aus dem Hause , nimmt , ohne die Seelbach zu bemerken , den vorher bepackten Wäschkorb und geht damit in den Seitenflügel , zu welchem sie den Schlüssel hat , den sie wieder abzieht , dann gleich darauf oben aus dem geöffneten Fenster zurück sprechend : Ja , ja ! Suschen , dat is he , ick kann em dütlich sehen , da bögt he eben üm den See , nu sett man flink Theewater up , ick war em en Enn entgegen gan , öwerst kiek uck jo na't Fleesch , lat't nich anbrennen . Wo hebb ick man min Dook ? Ja so , de liggt ja unnen . Kommt schneu herunter , ihr Tuch zu nehmen . ( Während dieser und der folgenden Sceue hat die Dunkelheit ihren Höhepunkt erreicht , später schwacher Mondschein . ) Rosa weitersprechend : Da liegt mein Tuch hört Schnarchen Mein Gott , hier schläft ja Jemand ! Wer kann das sein ? Eine Frau ? ihr ins Gesicht sehend Himmel , Frau Seelbach ! Sie hat mich hier erwartet . Ob ich sie wecke ? Nein , die alte Frau ist sicher müde von dem Gange . Sie schläft so fest . Ich werde ihr erst eine Tasse Thee besorgen . Aber erst will ich sie doch bedecken , sie möchte sich erkälten ; hier mit dem Tuch . Deckt sie zu , so daß der Kopf frei bleibt Nun schnell erst Thee , so lange mögt Ihr noch schlummern . Im Gehen : Ach Gott , wie finster ist es schon geworden . Schnell ab in den Seitenflügel . Frau Seelbach . Hans . Hans von links kommend , für sich : Ick hebb nich Ruh , noch Rast , ick weet nich wat mi fehlt , ick künn mi Fagen mit de ganze Welt ! Die Seelbach erblickend und sie für Rosa haltend . Na nu ! da is se ja ; se schlöppt ? wat is denn dat ? - Ach de verstellt sich woll , se ward doch hier nich schlapen ? Ruft halblaut : Jumfer Marten ! Jumfer Marten ! Herr Gott , se schlöppt ganz fast . Harr ick dat wüßt , denn harr ick lang de Schimmel all förn Wagen , un denn heidi mit ehr . Doch nee , dat gaht ja nich , de Oll kann jeden Ogenblick to Hus kamen . Herr Gott , dit süll blot en par Stunden späder sind . Wat mak ick blot ? Sich den Mund wischend Na töv , tum wenigsten will ick een Schmatz riskiren , un wakt se up , na denn man to , wat will se mi ? Küßt die Alte , welche erwacht und aufkreischt , Hans am Aermel festhaltend . Haus : Schock Düvel , wer is dat ? dat is ja Röse nich ! Frau Seelbach . Mein Gott , ich habe wohl geschlafen , wo bin ich denn , wer küßt mich hier ? Pfui , junger Mann ! Das ist ja schändlich , mich hier zu überfallen , sucht Euch doch junge Mädchen , wenn Ihr küssen wollt . Hans . Na hebbt Ju man nich dull , ick kann da uck niks för , de Breef is an 'ne falsche Adreß geraden , lachend , nehmt't man ja nich övel , ick dacht dat wär min Brut , Se hebben jo ehren Dook uck üm . Fr . Seelbach erstaunt . Dies Tuch ? wer ist denn Eure Braut ? Hans . Woto will'n Ii dat weeten ? Min Brut is unse Wirth- Fr . Seelbach bei Seite . Wie , Röschen , das ist doch nicht möglich . Wie heißt die denn ? Hans . Na wat Ji nieglich sind : Röse Marten hitt s' , wat hebben Ji davon ? Fr . Seelbach . Wie Rosa Marten ? mein Gott , das ist nicht möglich , Rosa Marten , das ist wirklich Eure Braut ? Hans grob . Na fragt un fragt ! Wo oft sall ick Ju't seggen , se is min Brut un nu is't good . Denkt Ji ick sall mi noch in Ju ver leeven ? Dat fehlt mi noch . Adjüs . Lachend ab nach links . Frau Seelbach . Fr . Seelbach allein , legt das Tuch über die Lehne der Bank . Mein Gott , wie ist das denn nur möglich ? Die falsche Schlange , wer hätte das gedacht . Nun will ich sie auch garnicht mehr sehen . Die Heuchlerin ! Mein Gott , mein Gott , im Abgehen , der arme , arme Fritz . Ab nach links . Rosa allein mit Thee , aus dem Seitenflügel . So , Mutter Seelbach , das soll Euch bekommen . Nun wacht nur auf , Frau Seelbach ! Wacht doch auf ! Gott schläft die fest . Frau Seelbach ! Fühlt im Finstern nach ihr und findet das lere Tuch . Mein Himmel sie ist fort , wo kann sie nur geblieben sein , ruft laut : Frau Seelbach ! ! Nein , dies begreife ich nicht , ich fürchte mich fast , es ist so finster . nuft : Suschen , Suschen ! stell doch Licht an't Fenster ! Stimme hinter der Scene : gliek , gliek , Jumfer Marten . Es erscheint Licht am Fenster , die Bühne wird hell . weitersprechend : Da liegt mein Tuch , und Mutter Seelbach ist verschwunden . Wie soll ich das nur verstehen ? habe ich geträumt , oder hat mich ein böser Spuk geneckt ? brr ! ich ängstige mich , wenn doch nur Vater Barko käme . Rosa . Später Barko . Barko noch in der Coulisse , zurücksprechend : I schlut man Alles to un gah hen na danzen , uns ward hier niks passeren . Rosa . Gott sei Dank , da ist er . Geht , immer noch die Tasse haltend , ihm Barko tritt jetzt auf , hat Flinte , Jagdtasche und einen Hasen . Rosa . Willkommen Vatter Barko ! Gott in'n Himmel , denkt Ju blot Barko unterbrechend , Rosa die Hand reichend . Gun Abend , Kind ! Heiter Hier kiek mal her , hier bring ick Di , wat ick verspraken hebb ; auf den Hasen deutend . Nich wahr , en strammen Burschen ? Doch wat is dat ? Du kümmst mi all mit Thee entgegen , na dat is schön , min Kind . Denn giv man her , nimmt die Tasse , setzt sich auf die Bank . Ick hebb uck Döst . Du bist en düchtig Köksch , Du wetst doch immer wat en ollen Menschen hört . Trinkt . Rosa . Ach Vatter Barko , hört blot an , ick hebb en Angst Barko läßt sie nicht zu Worte kommen . Uem mi ? dat hebb ick mi woll dacht , Du goodes Kind , streicht ihr die Wangen , ja 't is en Beten späd hüt öwerst ick kann nich daför , ick müßt doch absolut denn Hasen ick harr'n Di ja verspraken . Rosa . Ach Gott ! min besten Dank , Vatter Barko , öwerst ick Barko . I , lat man leeves Kind , ick weet Du meinst dat good , Du bist en prächtig Dern , da , hal man fix noch en Tass' Thee , de schmeckt ja rein to schön . Rosa . Dat freut mi , Vatter Barko , wenn he Ju schmeckt , doch in de grote Stuv is upgedeckt , willen Ii nich rinner gan ? Dat ward all köhl hier buten . Barko . I , nee , min Kind , de Luft is prächtig , mi is ganz warm , bring man noch en Tass' Thee hierher , ick hebb all da up't Vörwark eten , ick mag nich mehr . Rosa die Tasse und den Hafen nehmend . Gliek , gliek , en Ogenblick denn bin ick wedder hier . Barko allein . Barko reibt sich die Hände , heiter . En ganz captales Mäken , se süht mi immer all von de Ogen af wat ick woll wünschen mag . Wenn Hans de kriegt , denn kann he sich woll freuen , son Wirthin'n gifft nich vel , dat geht mit ehr dat spält man so , un wat se anfött dat hett Schick ; man müßt fast mein'n , se harr all dörtig Jahr son Wirthschaft föhrt , so pünktlich un adrett geht Alles mit ehr to un dabi is se noch so jung , un is 'ne Städterin , dat harrk in'n Leben doch nich dacht , dat so wat möglich wär . För Hans , da is de Dern mi würklich doch to schad ; mi dücht de Bengel de is doch niks werth , ick bin all lang nich mehr mit em tofreden , harr ick sin Mutter dat nich up'n Dood verspraken , för em to sorgen , denn wär he doch woll nich mehr hier ; ick weet nich , wo se up den Bengel kamen kann . Schad , schad ! Dat wär en Fru för minen Fritzen west , da harr ick glick min Jawoord geben . Barko . Rosa . Rosa kommt mit Thee und Kuchen . Hier Vatter Barko is noch Thee , ick will nu Suschen man Geschirr afwaschen helpen , sünst krabbelt de de ganze Nacht noch rüm . Barko die Tasse nehmend . Niks da , hier sett Di her bi mi , Suschen kann sich spooden , jeder mut don wat em tokümmt , Du hest Di hüt nooch quält , nu kumm man her , ick will Di erst man noch wat fragen . Rosa setzt sich neben Barko . Barkoweiter : Un denn gehst Du to Bedd , min Kind , denn morgen geht dat tiedig ruter . Klock fiefen treck ick hier de Klock , dat is't Signal , denn komm'n de Lüd von't Vörwark anmascheert mit vulle Musik , un bring'n de Kron hierher , denn söln sich de Muskanten bet Klock nägen ungefähr verpuhsten , un denn ward hier gedanzt un Austköst fiert , dat sall'n Leben warrn ! Wat seggst ? ick hev hüt uck all danzt , ha ha ha ! Rosa lachend : ick hevt all hört , oll Suschen hett mi't seggt , se hett Ju danzen sehn mit Liesing , as se dat Bier hüt henbröcht hett . Barko lachend : Ja Lieschen is ne dulle Dern , se harr mi gliek bin Wickel . Nu segg mi öwerst , wat is dat mit Di ? ick dacht Du würdst doch uck mal danzen , un dabi bist Du garnich dröben west . Rosa . Je ick künn Suschen doch nich hier so ganz alleen rümm wirthschaften laten , un wem wardt denn mit mi uck danzen ? ick hebb ja keenen Dänzer . Barko . So ! hest Du Di denn mit Hans vertörnt ? De wär jo uck nich da , drüm wunner ick mi uck , dat he hier up'n Hof rümm krabbelt . Droht scherzend mit dem Finger . Du , dat kümmt mi nich richtig mit Ju Beiden vör ! Rosa . Woso denn , Vatter Barko , mit Hans danz ick in'n Leben nich , dat wär nu doch de Allerletzte , so gern ick danzen mag . Barko . Na na ! na na ! Du Schelm , ick sall dat woll nich weeten , dat Hans Din Brutmann is . Rosa aufspringend : Hans ? Hans sall min Brutmann sind , de Suput ? Vatter Barko Ji will'n woll mit mi spaßen , eher gah ick in dat deepste Water , eh'r ick den Lümmel nehm . Barko . Is dat Din Ernst min Kind ? segg mi de Wahrheit , Du wetst , ick mein dat good mi Di . Rosa eifrig : Gewiß is dat min Ernst , Gott weet , dat ick de Wahrheit red . Weinend . Ach Vatter Barko , wo kön Ji sowat von mi glöven , wo würd ick woll son Bengel nehm'n , de minen tweeten Vatter all mit de Flint to Liev is gan . Barko . Still ! still min Kind , red nich davon , dat is vergeben un vergeten . Ick glöv Di ja , nu ween man nich , mi deit't all leed , dat ick Di fragt , dat harrk mi so all denken künt ; ick weet man nich , wo Hans denn dato kümmt , sowat to reden ; Fru Seelbach , de ick eben drapen , hett't mi vör ganz gewiß vertellt , se säd : Hans harrt ehr sülben seggt , Du wärst sien Brut ; un ick süll Di man seggen , se würd hier nich mehr kam'n , du würdst woll weeten worüm . Ick wüßt nich , wo se dat woll meint , un wull uck nich lang fragen ; se kann woll unsen Hans nich lieden ? Rosa . Dat hett de Lümmel seggt ? O Gott ! un sowat kann de Seelbach von mi glöven ! o , nu is mi't uck klar , worüm se afgan is , ohn lang na mi to fragen . Herr Gott , wenn se dat Fritzen nu vertellt ! Barko . Wat ? wat seggst Du da von Fritzen , wat meinst Du för'n Fritzen , hm ? Rosa bei Seite : O Gott , was habe ich gethan , ich bin verrathen . Barko . Na wat sall dat Getuschel ? Darf ick nich weeten wat för'n Fritz dat is ? - Na nu boomstill ? Hör Mäken , ick lat nich mit mi spaßen , rut mit de Wahrheit , mi dücht , ick rük den Braden . Rosa kniet nieder , spricht hochdeutsch , bittend : Ach guter Vater Barko , seid nich böse , fragt Barko unterbrechend : Nanu ! dar geht ja hochdütsch los , Du wetst , ick kann dat doch dörchut nich lieden . Stah up , min Kind , ick will niks wieder weeten , mi dücht , ick weet genoog . Blot segg mi noch dat Een : Kann ick mi drup verlaten , dat Hans keen Recht hett , Di sine Brut to nennen ? Rosa eisrig : Wahrhaftig nich , Gott weet , dat ick de Wahrheit red . Hans is mi so verhaßt , dat ickt nich seggen kann . Vorige . Hans . Hans tritt auf , stellt sich lauschend hinter den Baum . Barko beruhigend . Na denn is't good , min Dern , ick will nich wieder fragen , dat Anner ward sich morgen find'n . Hans sall mi ut'n Hus ! Doch nu schlap Du , min Kind , gah flink to Bedd , hörst Du ! Ween nich , so lang oll Barko levt brukst nich to weenen , Du bist min leewe söte Dern . Rosa stürmisch seine Hand ergreifend . Dank ! dusend Dank Vatter Barko ! schlapt söt . Nimmt ihr Spinurad sowie die Tasse und geht schnell ab durch die Thüre des Seitenflügels , welche sie hörbar verriegelt . Barko . Hans . Hans hinter dem Baum . Barko . Hm , hm , süll miné Ahnung mi nich dreegen ? Mit Be tonung : " Du kennst sie schon und bist mit ihr zufrieden " - schreev Fritz in sinen Breef , wat süll dat anners heeten . O ! nu is mi Manches klaar ; ick möt mi doch den Breef noch ruter kramen . Geht in das Wohnhaus . ( Gleich darauf erhellen sich die Fenster rechts auf einen Augenblick , später links , ebenfalls nur auf kurze Zeit , während das obere Fenster des Seitenflügels fast bis zum Schluß erleuchtet bleibt . ) Hans allein . Haus kommt hervor . Na nu ward't Dag ! Se is sin leeve söte Dern ? ha ha ha ! De olle Grieskopp will noch frieg'n , un noch dato son junges Ding . Ha ha ha ! nee , dit ward immer netter . Na tövt man , ick bin uck noch da , den Brie will ick Ju woll versolten . Nee is't de Möglichkeit , son junge hübsche Dern , will sich den ollen Stacker frieg'n . Töv Du hochnäsig Ding , die steckt de Angerhof man in de Näs , un darüm bist Du so bigäng bi'n Ollen , un wist von mi niks weeten . O töv man , töy ! Lauscht am linken Fenster . De Oll geht nu to Bedd , na schön , dröm man noch ens von Dinen söten Schatz . Morg'u früh denn hett uns Koh ganz anner Hörn . Din Schimmels loopen good , wenn Du Di morgen früh de Ogen rivst , bin ick mit Dinen söten Engel öwer Barg und Feld , denn fläut uns nah . - ( Das Licht im Wohnhause erlischt . ) So de is rin in't Nest , doch baben brennt noch Licht . - Na ick hebb uck noch Tied , de Schimmels sind uck noch nich satt , de söln sich to de Tour tum letzten mal hier orndlich stärken , ick war mi erst man noch en'n Sack vull Haber haln . Links ab . Rosc allein , erscheint am Fenster ihres Zimmers oben im Seitenflügel , blickt in die Nacht hinaus . Wie still und dunkel ist die Nacht ; was mag sie wohl in ihrem Schooße für mich bergen ? O möchte es doch tagen bald . Mir ist so weh , so bang um's Herz und doch könnt' wieder laut ich jubeln , denn welch' ein Glück kann mir der Morgen bringen . In wenig Stunden , will es Gott , kann Fritz schon bei mir sein . Hilf Himmel dann das Herz des Vaters uns bezwingen . Tritt ein wenig zurück , setzt sich , ein Buch nehmend an den Tisch und singt : No . . Eixkage . Eingehüllt im feierlichen Dunkel Sind die Wege , Gott , die Du uns führst , Kein Verstand erforscht , nach welchen Du die Deinen wunderbar regierst . Selbst der fromme , tugendhafte Weise Dringet nicht in diese Tiefe ein ; Vieles , was er um sich her erblicket , Wird ihm dunkel , unerklärbar sein . Scheint es gleich , als müßte ich versinken In dem harten Kampf und Prüfungsstand , Läßt Du Vater mich doch nicht ertrinken Und hältst mich mit Deiner starken Hand . Laß mich nimmer in Versuchung fallen , Rüste mich mit Muth und Heiterkeit , Laß mich froh durch's Erdenleben wallen , Bis ich schaue Deine Herrlichkeit . O , verzeihe Vater , wenn wir Schwachen Deine weise Güte nicht versteh'n , Und mit matten und beschränkten Blicken Nur das Harte nicht das Gute seh'n : Dort erst werden uns're Blicke freier , Heller Morgen steigt aus dunkler Nacht ; Freudig dankend werden wir dann jauchzen : Vater Du hast Alles wohl gemacht . Schläft am Tisch ein , das Feuster bleibt geöffnet . ( Matter Mondschein und das Licht am Feuster oben beleuchten die Bühne . ) Hans allein . De Schimmel wären satt , nu künn de Fahrt los gan . Horcht an Barko's Fenster . De Oll de schnarcht , dat sich de Balken bögen , de hört niks mehr , doch Jumfer Marten hett noch Licht , de is woll von de Leevserklärung noch to upgeregt , dat se nich schlapen kann . Versucht leise die Thür des Seitenflügels zu öffnen . De Döhr is togeriegelt , na daför weet wi Nath , dat Finster steht ja apen , da stieg ick ganz sacht rin , un riegel mi denn up ; de Dern steck ick min Taschendook in'n Mund , dat s' nich Allarm kann schlagen , un denn gehst Du heidi mit Hans , min Schatz ; Du sast mi woll pareer'n , wenn ick Di man erst hebb , wo ick Di hen bring'n will . Horcht erst wieder an Barko's Thür , dann nach oben schauend . Dat Licht brennt immer noch , se kann doch nich mehr waken , ick möt doch enmal sehen . Steigt auf den Baum und sieht von dort in's Fenster . Dat hebb'ck mi dacht , da sitt s' mit ehr Gesangbook noch an'n Disch , un is recht schön inschlapen , as dat schient . Jitzt spann ick an . Klettert herunter , der unterste Zweig bricht mit großem Geräusch ab , Haus hält sich mit den Händen oben und hängt frei in der Luft . Dunner wetter , wat is dat ? hett denn de Düwel hüt sin Spill ! Hans . Barko . Barko mit Nachtmütze sieht aus dem Fenster . Wat wär denn dat för'n Krach , wem is denn da ? Hans Du ? wist Du Di uphäng'n da ; wat sall denn dat bedüden ? Ick denk , Du bist up't Vörwark danzen , wat mökst Du denn da up den Boom ? Hans . O Herr , niks ! garniks , ick harr son Döst , ick wull mi hier man en Paar Beren plücken . Barko . Na nu , midden in de Nacht ? schämst Du Di nich , de Beren sind ja noch nich mal ganz riep , Du Läketähn . Legg Di in't Nest , wi warrn uns morgen spräken . Schlägt das Feuster zu . Hans läßt sich an der Zeugleine vom Baume herunter . Nee dat ward woll niks warrn , morg'n bin 'ck nich mehr to spräken , Du olle Grieskopp Du . Verdammte Streich , jitzt möt ick loch noch töben , bet he wedder schlöppt . Nach oben sehend . Dat Frölen is woll ja nich munter word'n , súnst harr se sich woll mellt . Pflückt von dem Zweig einige Früchte und steckt sie ein . Nu kann ick Ber'n statt Rosen plücken . Man hört aus der Ferne einen Hahn krähen . Ver dammt , de Hahn kreit all , ick kann nich länger töven , dat ward gliek Dag . Wirft den Zweig bei Seite . Jitzt spann ick an un hol de Lerrer her , in de Tied ward de Oll' woll wedder schlapen . Ab nach Uinks . Fritz allein . Fritz im Reise-Anzuge , von links kommend , singt : No . . Einläge . Wie ruhet die stille Natur ! Heimathliche friedliche Flur Verschleiert der Thau ; Des Schlummers balsamisches Weh'n Durchhauchet die Thäler und Höh'n Im schweigenden Gau . Dir bring' , mit melodischem Klang , Ich Liebchen den Morgen-Gesang , So Wonne , wie Pein . Was glüht mir im Herzen , vertraut So gern ich Dir ; liebliche Braut , O werde bald mein . Frisch athmen die Lüfke und wehn Des Nebels verhüllende Seen Zur Erde hinab . Und was sie verhüllet , entstrebt , Vom röthlichen Schimmer umwebt , Dem wolkigen Grab . Es klatscht mit den Flügeln und bläht Sich stolz schon im Hofe und kräht Ermunternd der Hahn : " Auf , Schläfer ! ihr Schläfer , erwacht ! " Dahin ist die träumende Nacht , " Der Morgen bricht an . " Wie wird mir die Seele so frei ! Wie fluthet das Leben so neu Mir tief in der Brustt Es feiert und danket und preis't , Vereint mit dem Liebchen , mein Geist In seliger Lust . Spricht : Ich komme noch zu früh , der Postillon hat gut gefahren , was nun ? Unmöglich kann ich jetzt schon stören ; Spazieren gehn , dazu bin ich zu müde . Zieht seine uhr . Erst halb vier , hm . " O Röschen ! wenn Du wüßtest - doch still , ich darf mich ja noch nicht verrathen . Aber was beginn' ich nur . Ei was , ich werde den Sonnen-Aufgang hier erwarten ; die Luft ist nicht zu kühl und übrigens schützt vor Erkältung mich mein Plaid . Auf die Bank deutend . Da ist ja Röschen's Lieblingsplatz , wovon sie mir geschrieben , den werde ich einstweilen annectiren . Setzt sich , im Begrisf eine Eigarre anzuzünden : Horch ! Pferdegetrappel , was ist das ! In die Coulisse blickend : Ein Wagen wird bespannt , so früh , was hat das zu bedeuten ? - Zür Arbeit auf dem Felde ist's doch noch zu finster , auch ist ja heute Erntefest . Vielleicht verreist der Vater ; doch heute ? Nein , das thut er nicht - -- auch müßte dann schon Licht und Leben hier im Hause sein . Horch ! Schritte , man kommt hierher , ei , da will ich doch sehen . Setzt sich auf die Bank , so daß der Baumstamm ihn verdeckt . Fritz . Hans . Hans mit einer Leiter . So min Schatz , nu is't de höchste Tied . Setzt die Leiter an Rosa's Fenster , steigt leise hinein . Fritz . Ei , ei ! was wird denn das ? der Hans hat wohl ein Liebchen , das wird ja intressant . Greift nach dem Glockenstrang . Fast möcht' ich ihm den Spaß verderben und die Glocke ziehen , ein kleiner Schreck dürfte ihm nicht schaden . Hält unschlüssig den Strang . Das Licht oben hat Haus fortgenommen . Vorige . Rosa . Später Barko . Rosa hinter der Scene , schreit auf : Wer ist denn hier ? ein Dieb ! ! Vater Barko ! zu Hilfe ! zu Hilfe ! Vater Barko ! Fritz . Mein Gott , das muß doch Nöschen's Stimme sein ; der Schuft will sie entführen ! Röschen ich komme ! ! Schleudert den Strang von sich , so daß die Glocke von der Erschütterung ein Paar mal anschlägt , stürmt gleichzeitig die Leiter hinan dem Haus nach durch das Fenster , rufend : Hallunke , was beginnst Du hier ? Rosa's Stimme . Fritz Du ? O Gott sei Dank ! Dich schickt der Himmel . Hans Von innen . Verdammt ! Rüttelt unten von innen an der Thür , bis sie auffliegt und stürzt hinaus . In demselben Augenblick kommt Barko aus dem Hause , Beide rennen aneinander und stürzen , Hans springt über Karko hinweg und entflieht . Fritz innen . Halt ihn ! Hattet den Dieb , er will mit dem Fuhrwerk fort ; ihm nach Vater ! Kommt aus dem Seitenflügel und eilt mit Barko ab , dem Hans nach . Rosa allein . Rosa kommt noch völlig wie vorher gekleidet , jedoch mit aufgelöstem Haar ebenfalls aus dem Seitenflügel , sofort nach der Glocke stürzend und läutend , bis man plötzlich aus der Ferne einen dumpfen Kanonenschlag hört . Ah jetzt wird der Festzug von dem Vor werk kommen , die Schnitter haben das Läuten ganz falsch gedeutet , nun auch gut , will der Schurke entfliehen , so läuft er ihnen grade in die Arme . Ah Vater Barko ! Geht Barko und Fritz entgegen . Rosa . Barko . Später Fritz . Barko . ( Es beginnt zu tagen . ) Min armes Kind ! Hest Di woll schön verfiert ? Na lat man sind , de Lümmel is nu weg , un ward uck woll nich wedder kamen , un kümmt he mi , häng ick em up , de Bengel is niks Bäters werth . Harr ick dat ahnen künt . Fritz . Das Fuhrwerk ist in Sicherheit , doch von dem Hans ist jede Spur verschwunden . Barko . Lat em tum Düwel gan , ick mag emn nich mehr sehen . Doch wo kümmst Du hierher ? Erklär mi doch - -- Fritz heiter und eifrig . Mich hat ein Gott gesandt , den Engel hier zu Barko lächelnd . So ? dat hev ick uck noch nich wüßt , dat Gott Di brukt , sin Engel to behöden , woher kennst Du denn dissen Engel hier , he ? Fritz Barko's Hand ergreifend , Rosa an sich ziehend . Vergieb mir , lieber Vater , Röschen ist ja längst schon meine Braut und eben jene Städterin , die Du durchaus nicht sehen wolltest , ich brachte sie hierher , damit Du sie näher möchtest kennen lernen , und hoffe nun , daß Du Dich überzeugt , einen Engel mir der Himmel hat beschieden . Barko . So , kiekt mal an , also Comedg hebbt Ji mit mi spält . Fritz zugleich kuicend mit Rosa . Verzeihung , lieber guter Vater , uns blieb kein ander Mittel übrig . Barko . Na nu is't nooch , nu staht mån up , den Braden hev ick raken , ick wüßt all lang Bescheed , un is uck Alles na minen Wunsch , de Dern is good , de kannst du't blot verdanken dat ick die de Comedg nich anners utbetahl ; nu staht man up ! Rosa . Nicht eher , Vater Barko , bis Ihr unsern Bund gefegnet . ( Man hört aus der Ferne näher kommende Musik ) Barko . Na gevt Ju man de Hand , den Segen mag uns Herrgott geben . Staht up , ick kann dat Kneen nch lieden , zu Nosa : kumm her min Kind , hier is Din Platz . Zieht sie an sich , ihr die Stirne küssend . Du bist en goode Wirthin , ick denk min Angerhof de kümmt in goode Hän'n , zu Fritz : Ii blieben hier , ick treck nat Vörwark rut . Doch nu noch ent : Leevt Ju un küßt Ju up hochdütsch ümmerto , so vel Ji willen , doch mit mi möt Ii plattdütsch reden , sünst bin ick nich för Ju to spräken . Rosa . Fritz . Umarmen stürmisch gleichzeitig Barko . ( Die Musik ertönt näher , es wird Tag . ) Barko . Na drückt mi man nich dood , 't is all a good , nu lat't mi man tofreden . Hört de Musik , de kam'n vont Vörwark all , ha , ha , ha ! De hebb'n dat Klockenlüden för min Signal utdüdt . Nu makt Ju man parat , hüt gifft en dubbelt Fest , Austköst un Ju Verlobung . ( Hurrah Rufe hinter der Sceue . ) Se kamen all . Herrgott ick hebb jo noch keen Stäwel an , ick möt doch - -- schnell ab ins Haus . Nosa , Fritz Fritz . Dem Himmel sei Dank , es ist gelungen ! O Röschen , umarmt sie ich hätte es nicht gegläubt , wie soll ich Dir danken , Du liebes , herziges Mädchen , der Vater ist wie umgewandelt . O welch unendlich Rosa . Mein lieber , guter Fritz , doch zu Erklärungen ist jetzt keine Zeit , der Festzug naht , mein Gott , ich muß mein Haar erst ordnen . Fritz . O nicht doch , liebes Kind , Du siehst so reizend aus , laß mich mit diesen Locken spielen , sie kleiden Dich so allerliebst , Du solltest sie immer so tragen , wie herrlich wird Dir doch der Brautkranz stehen . Rosa in die Coulisse blickend . Sieh ! sieh ! Dort kommt die Krone ! Platz , Platz ! Zieht ihn mit sich in die Nähe des Baumes , wo sie den Festzug übersehen können . Vorige . Jochen . Michel . Grete . Liese . Musikanten . Knechte und Mädchen . Später Barko . Unter Hurrah und Hochrufen marschirt der Festzug auf , die Musikanten vorauf . Dann Jochen mit der , aus Aehren , Blumen und bunten Bändern herstegellten Erntekrone , welche er auf einer ebenfalls bunt bebänderten Heugabel trägt , ihm zur Seite Grete , eine verzierte Harke tragend mit einer Guirlande , deren Enden zusammen gebunden , so daß dieselbe einen großen Kranz bildet ; Knechte und Mädchen folgen , alle mit verzierten Sicheln , Heugabeln und Rechen versehen . Nachdem der Zug einen - nach dem Zuschauerraum etwas geöffneten - Halbkreis vor dem Hause gebildet , dem sich Fritz und Rosa ange schlossen , nimmt Michel die alte , über der Hausthür befindliche Erntekrone herunter , Jochen hängt sofort die neue Krone auf und gebietet dann den Musikern Schweigen . Barko jetzt aus dem Hause tretend . Willkommen Kinner ! Jochen . Uns' Husherr , Vatter Barko , sall leben hoch ! Vivat hoch ! Chor . Hoch ! hoch ! hoch Tusch . Grete nähert sich Barko mit der Kranz , folgende Strophen declamirend : " Die Scheuern find voll Garben , " Die Pflug und Sens' erwarben , " Gott lohnte unsern Fleiß . " Wir bringen nun im Festgesang " Den Erntekranz mit Sensenklang " Und trocknen unsern Schweiß . " Dem Hausherrn-Glück und Segen Barko unterbrechend : Hollt , stopp ! Kinner , doht mi den enzigen Gefallen un verschont mi mit Jugen hochdütschen Kram , dat is doch good gemeint . Erlauvt mi , dat ick Ju erst 'ne lütte Red up mine Art darf hollen . Paßt up un hört to : Ehri , unsen Herrgott to Ehren , dat hütige Fest beginnen , möt ick Ju seggen , dat ick gistern den letzten Dag Herr up den Angerhof west bin . Alle . Wat ? Wat seggt he ? Barko . Ruhig da ! latt mi útreden . Von hüt an hett min Steefsöhn , Fritz Kaiser , hier as Herr von den Angerhof to kum mandern . Alles wat ick noch von Ju beanspruch , is , dat Ji minen Fritz eben so tru un flietig in allen Sbistahn mögt , as Ji bi mi dat dahn hebbt , woför ick Ju hiermit minen Dank utspräk . Noch ens : Ii möt uck weeten , dat Ji nu bald wedder ene junge schmucke Fru up'n Angerhof begrüßen könt , wi warren hüt en dubbelt Fest fiern , denn de jung Herr ward sich up minen Wunsch noch hüt mit uns Jumfer Marten hier verloven . Nimmt Rosa bei der Hand und führt sie zu Fritz Kamt her , Kinner , un nehmt mine Stell jitzt in . Führt Beide in den Kreis . Uns' Herrgott gev Ju Glück un Segenl Sol-un nu , Greten , will'n wvi Dinen Kranz hüt mal ens up ananwenden , kumm her un help ! Beide bekränzen das Paar , auch Liese springt herbei und hilft . Jochen . Hurrah dat Brutpaar sall leven ! Vivat hoch ! Chor . Hoch ! hoch ! Tisch . Von dem Tusch geht die Musik zu de . Melodie " Wir minden Dir den Jungfern-Kranz " über . Schlußgruppe mit Tanz . Der Vorhang fällt . Das Recht der öffentlichen Ar , vom Verfasser , E . Keller in Pyritz ,


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